Archiv für August 2012

Gauck-Gedenken schließt deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. aus

Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. wurde der Einlass zur Gedenkveranstaltung an das rassistische Pogrom vor 20 Jahren verwehrt – trotz offizieller Einladung und ohne Begründung.

Am Sonntag, dem 26. August 2012 wurde in Rostock-Lichtenhagen den rassistischen Pogromen von vor 20 Jahren gedacht. Zwei Mitglieder des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja e. V. hatten eine offizielle Einladung vom Oberbürgermeister der Stadt bekommen, unter Ihnen auch Vorstandsmitglied Marouf Ali Yarou Issah. Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn fanden sie sich mit ihrer Einladung am Einlass ein. Dort verwehrte ihnen der Sicherheitsbeamte, nach Rücksprache mit den Veranstaltern, den Eintritt. Eine Begründung hierfür bekamen sie nicht. Laut Kombinat Fortschritt konnten „nach der Abweisung […] offenbar weitere Geladene die Schleuse passieren.“

In einem kurzen Interview schildern die beiden den Vorfall.

Weiterführende Links:
http://kombinat-fortschritt.com/2012/08/26/unsere-heimat-kommt-nicht-in-braun…

20 Jahre nach dem Pogrom – Tausende gegen Rassismus und Neofaschismus

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) erklärt:

Die Veranstaltungen zum Gedenken an den 20. Jahrestag das rassistischen Pogroms in Rostock-Lichtenhagen waren ein großer Erfolg, der Mut macht, weiter gegen Rassismus in Deutschland zu kämpfen.

Bereits am Vormittag des 25. August fanden sich auf dem Rostocker Neuen Markt 2.000 TeilnehmerInnen zur Kundgebung „Das Problem heißt Rassismus“ ein. Vertreter antirassistischer Initiativen wiesen darauf hin, dass das Pogrom bis heute auch für eine unglaubliche Ignoranz politischer Verantwortungsträger gegenüber den Betroffenen steht. Ein in MV lebender Flüchtling berichtete wie sehr ihn die bestehende Asylgesetzgebung daran hindert, ein normales Leben zu führen, was wiederum bereits vorhandene Vorurteile verstärkt.

Unter großem Beifall konnten Cornelia Kerth und Heinrich Fink, Bundesvorsitzende der VVN-BdA, am Rathaus mit Billigung des Oberbürgermeisters eine Gedenktafel anbringen. Damit wurde den ursprünglichen Initiatoren der Tafel, den „Söhnen und Töchtern der deportierten Juden Frankreichs“ historische Gerechtigkeit getan, die beim Versuch des Anbringens im Oktober 1992 verhaftet worden waren. Ein Grußwort ihrer Sprecherin Beate Klarsfeld wurde verlesen. Darin griff sie die aggressive und angesichts der Untätigkeit gegenüber dem rassistischen Mob umso empörendere Behandlung Seitens der Polizei scharf an.

Von Lütten-Klein aus setzte sich am Nachmittag ein starker und bunter Demonstrationszug mit etwa 6.500 TeilnehmerInnen in Bewegung. Auf zahlreichen Transparenten wurden Rassismus und Nationalismus kritisiert und „Grenzenlose Solidarität“ gefordert. Mit vielen Redebeiträgen auf Zwischenkundgebungen erreichte die Demo das Sonnenblumenhaus. So erinnerte Mouctar Bah von der „Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh“ an den Feuertod des in Polizeigewahrsam in Dessau umgekommenen Flüchtlings.

Zur Demonstration hatten mehr als 100 Antifa-Gruppen, Flüchtlingsräte, migrantische Gruppen, GewerkschafterInnen, Jugendgruppen, Bands, linke Gruppen, dänische Antifaschisten und einzelne Parteivertreter aufgerufen.

Am historischen Ort wurde u.a. das Stück „Asylmonologe“ aufgeführt, das sich in beeindruckender Authentizität mit der Lebenssituation von Asylbewerbern beschäftigt.

Es folgte abschließend ein Konzert unter dem Motto „Beweg dich für Bewegungsfreiheit“ mit 1.000 Zuhörenden und Tanzenden.

Am Sonntag, dem 26. August, trafen sich Flüchtlingsräte, Vertreter von Flüchtlingsinitiativen und Mitglieder der VVN-BdA zu einem World-Café und tauschten sich intensiv darüber aus, wie Solidarität praktisch werden kann.

Dass Bundespräsident Gauck am Sonntag auf einer offiziellen Veranstaltung nicht nur ausgerechnet eine „deutsche Eiche“ als Erinnerungsbaum an das rassistische Pogrom pflanzte und Kritiker im Publikum, die ihm „Heuchelei“ vorwarfen, mit Neonazis in einen Topf warf, verwundert nicht. Gauck hatte sich 1992 mit keinem Wort gegen das Pogrom geäußert.

Die VVN-BdA bedankt sich herzlich bei allen BündnispartnerInnen aus Rostock, Mecklenburg-Vorpommern und dem Bundesgebiet und natürlich bei allen ihren Mitgliedern, die den teilweise sehr weiten Weg auf sich genommen haben.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Bundesvereinigung

Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Tel.: +49 (0)30-29784174, Fax: +49 (0)30-29784179

E-Mail: bundesbuero@vvn-bda.de

www.vvn-bda.de

Redebeitrag der LOBBI (Beratung für Betroffene rechter Gewalt in MV)

Vor 20 Jahren brannte im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen das „Sonnenblumenhaus“. Diese Bilder gingen um die Welt und markierten den brutalen Höhepunkt des größten rassistischen Pogroms der bundesdeutschen Geschichte.
Noch immer stellen sich viele Fragen um diese Tage im August 1992 und wie so oft gibt es gerade an „Jahrestagen“ das Bedürfnis, darauf Antworten zu finden.

Wie konnte es im Sommer 92 zu einem Pogrom kommen, an dem mehrere hundert Menschen aktiv beteiligt waren und der von einigen tausend Menschen vor Ort bejubelt und unterstützt wurde?

Von frustrierten und desillusionierten Menschen ist dann oft die Rede, die in Folge von Wende und Wiedervereinigung Jobs und Perspektiven verloren hätten. Und die nun auch noch mit einem hoffnungslos überfüllten Flüchtlingswohnheim in ihrem Wohngebiet konfrontiert wurden.
Sicher: Frust und Unsicherheit saßen bei vielen Menschen tief in dieser Zeit. Aber warum entlud sich dies in brutalstem Rassismus ?
Auch der Fokus auf die konkrete Situation in Lichtenhagen verschleiert mehr, als er zur Erklärung beiträgt.
Dazu ein kleiner Rückblick auf das Jahr 92 in Mecklenburg- Vorpommern:
14. März
In Saal bei Rostock überfallen 25 Personen ein Flüchtlingsheim und prügeln den 25jährigen Dragomir Christinel aus Rumänien zu Tode.
24. Mai
Rund 100 Personen überfallen ein Flüchtlingsheim in Güstrow. Zwei BewohnerInnen werden verletzt. Eine Frau wird mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht.
28.August, 29. August und 1. September
Neonazis versuchen ein Flüchtlingsheim in Greifswald anzugreifen.
5. September
In Trassenheide, Kreis Wolgast greifen etwa 40 Personen ein Flüchtlingsheim an.
8. September
Brandanschläge auf Flüchtlingsheime in Wolgast und Anklam
9., 10. und 12. September
Angriffe auf ein Flüchtlingsheim in Bockhorst im Kreis Güstrow
15. bis 19. September
Fünf Tage lang greifen Neonazis ein Flüchtlingsheim in Wismar an. Unter dem Beifall von AnwohnerInnen setzen sie auch Steine und Molotowcocktails ein. Am 19. September werden außerdem Heime in Güstrow, in Kröpelin, im Kreis Malchin, in Schwerin und im Kreis Uckermünde angegriffen.

Diese Aufzählung ließe sich noch endlos fortsetzen, doch schon dieser kleine Ausschnitt macht vor allem eines deutlich: Rassistische Angriffe waren damals keine Ausnahme und hatten schon gar nichts mit besonderen, lokalen Gegebenheiten zu tun. Vielmehr sammelten sich überall im Land rassistische Mobs und versetzten jene in Angst und Schrecken, die vor Krieg, Verfolgung und sozialer Not in die BRD geflohen waren.

Und all das passierte nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern bundesweit. So hatten schon im Mai 1992 hunderte RassistInnen über mehrere Tage ein Flüchtlingsheim in Mannheim angegriffen.

Wenn also nach den Ursachen für die explodierende, rassistische Gewalt in den frühen 90er Jahren gefragt wird, so fällt uns darauf folgendes ein: jene Zeit war geprägt von einer Renaissance des Nationalismus, der 1990 einen enormen Aufschwung in Ost und West nahm und sich zunehmend aggressiv äußerte. Gleichzeitig befeuerten rassistische Debatten um das Recht auf Asyl in Politik und Medien eine immer offenere Ablehnung von Flüchtlingen und anderen MigrantInnen in weiten Teilen der Bevölkerung.
Wer also ernsthaft begreifen möchte, wie es dazu kommen konnte, dass damals Hunderte bereit waren, ein Haus anzuzünden, in dem sich fast 150 Menschen befanden, während Tausende applaudierend daneben standen, der muss vor allem den offenen, brutalen Rassismus dieser Zeit und dessen Ursachen in den Blick nehmen. Er ist nicht aus „Vorurteilen“ oder in den „Wirren“ der Nachwendezeit entstanden, sondern fruchtete auf dem Boden einer rassistischen Politik der Ausgrenzung.

Welche Lehren und Konsequenzen sind heute aus den damaligen Ereignissen zu ziehen?

Das Pogrom in Lichtenhagen steht bis heute auch für eine unglaubliche Ignoranz politischer VerantwortungsträgerInnen gegenüber den Betroffenen. Während der Mob in der Stadt tobte, wetterte der damalige Bundesinnenminister vor Ort erneut gegen den „Missbrauch des Asylrechts“ und den „unkontrollierten Zustrom in unser Land“. Neben den damaligen Kampagnen gegen die „Asylantenschwemme“ im Bundestag und in den Leitmedien wirken heutige neonazistische Mobilisierungen gegen einen vermeintlichen „Volkstod“ geradezu hilflos.

Nicht nur dass die Betroffenen des brutalen Rassismus keinerlei Unterstützung und Anteilnahme erfuhren. Sie wurden vielmehr zu den eigentlichen VerursacherInnen der Angriffe erklärt.

Und heute? Sind solche offensichtlichen Formen einer Täter/Opferverschiebung immer noch an der Tagesordnung?
Betrachten wir einmal den staatlichen Umgang mit den Morden des NSU.

Auf der einen Seite fällt uns die Gedenkveranstaltung im Februar diesen Jahres in Berlin ein. Die höchsten RepräsentatInnen dieses Landes verneigen sich vor den Opfern und entschuldigen sich bei deren Angehörigen, die ebenfalls zu Wort kommen.

Andererseits wissen wir alle, dass die Ermittlungsbehörden die Schuld für die Morde jahrelang bei den Opfern gesucht haben. In stundenlangen Verhören wurden Angehörige und Bekannte mit der Unterstellung konfrontiert, die Ermordeten seien in kriminelle Machenschaften verstrickt und deshalb ermordet worden. Die Sichtweise vieler MigrantInnen, die schon vor Jahren von rassistischen Tatmotiven ausgingen, wurde schlichtweg ignoriert. Ermittlungen in diese Richtung fanden – wenn überhaupt – nur halbherzig statt und wurden schnell wieder eingestellt.

Heute – neun Monate nach Bekanntwerden der rassistischen Mordserie – fehlt es noch immer an einer öffentlichen Debatte und konsequenter Aufklärung in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland in dem das neonazistische Terrornetzwerk offenbar gute Bekanntschaften hatte und in dem es nicht nur mordete, sondern auch Geld für das Leben im Untergrund raubte. Ein Untersuchungsausschuss, wie in anderen Bundesländern, fehlt genauso wie kontinuierliche und intensive journalistische Recherche.
Noch immer ist unklar, ob, wann und wie dem NSU-Opfer Mehmet Turgut in Rostock gedacht wird. Die Initiative zur Umbenennung jener Straße, in der er im Februar 2004 erschossen wurde, ist zumindest vorläufig gescheitert. An LokalpolitikerInnen, die „keinen Wallfahrtsort“ in ihrem Stadtteil haben wollen. Oder von „Opfern zweiter Klasse“ schwadronieren, denn schließlich würden nach Opfern anderer Morde ja auch keine Straßen benannt. Und man wisse ja gar nichts über den Ermordeten, der sich möglicherweise sogar ohne offizielle Genehmigung in diesem Land aufgehalten hat.

Ob diese verbalen Querschläger „nur“ Ausdruck der Unfähigkeit sind, die Tragweite der rassistischen Morde zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen oder ob mehr dahinter steckt, sei erst mal dahin gestellt. In jedem Fall sind auch sie Ausdruck von Ignoranz gegenüber Opfern rassistischer Gewalt, wie sie auch 20 Jahre nach dem Pogrom von Lichtenhagen noch weit verbreitet ist.

Wir können und müssen auf diese Mängel hinweisen, wir müssen Rassismus identifizieren und bekämpfen – in der Politik und im Alltag.
Doch unsere wichtigste Konsequenz aus den Ereignissen vor 20 Jahren heißt: uneingeschränkte Solidarität mit Betroffenen rassistischer Gewalt – Immer, überall und auf allen gesellschaftlichen Ebenen!

Grußwort von Beate Klarsfeld

Liebe Freunde,

Ich bedauere es sehr, dass ich am heutigen Sonnabend nicht an Ihrer Veranstaltung teilnehmen kann.

Vielleicht ergibt sich eine spätere Möglichkeit, mit den Mitgliedern unserer Organistion, besonders mit denjenigen, die vor 20 Jahren dabei waren, zur offiziellen Einweihung dieser Tafel nach Rostock zu kommen.

Vor fast zwanzig Jahren, am 19. Oktober 1992 sich hat unsere Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France” (Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich) aus eigener Initiative entschlossen, zusammen mit 50 unserer Mitstreiter, und unter ihnen auch viele Jugendliche aus jüdischen Organisationen, mit einem Bus nach Rostock zu reisen, es war eine lange Fahrt von mehr als 1 200 km, um in dieser Stadt unsere Solidarität den Opfern zu beweisen, die der gewalttätige rechtsextreme Mob verfolgte und sogar mit dem Tod bedrohte. Es waren viele Vietnamesen, Flüchtlinge aus anderen Ländern und insbesondere zahlreiche Roma.

Keine andere Organisation wollte uns zu dieser Demonstration die Hand reichen, obwohl die Lage doch klar durchschaubar war. Hier wiederholte sich etwas wie in den dreiziger Jahren. Wir waren ganz besonders betroffen von dem Rassenhass gegen die Sinti und Roma, die wie die Juden 50 Jahre davor in den deutschen Gaskammern ermordet wurden.

Wer anders als die Waisen der in Auschwitz vergasten Juden konnte hier die Alarmglocke ziehen und mit einer spektakulären Aktion die Öffentlichkeit aufrütteln. Wenn man die Presse hierzu liest, können wir sagen, wir hatten unser Ziel erreicht. Wir haben “wild” unsere Gedenktafel an der Vorderfront des Rathauses geklebt. Unser Sohn Arno hat dann mit den Jugendlichen Räume im ersten Stock besetzt und vom Balkon des Rathauses das Wort ergriffen, auch unsere Spruchbänder wurden hier aus dem Fenster gehängt.

Natürlich waren wir darauf vorbereitet, dass die Polizei eingreifen würde, aber nicht so brutal, wie sie es tat. Die Polizisten waren sehr zahlreich erschienen, es kam zu Schlägereien vor dem Rathaus. Wir wurden dann in unserem Autobus , beleitet von Polizeiwagen mit Sirengeheul und Blaulicht zum Polizeirevier gebracht. Ungefähr zehn Polizisten stellten sich in den Miittelgang unseres Busses, um uns zu überwachen. Es war eine unglaubliche Weise uns zu behandeln, vor allem wenn man daran denkt, wie zurückhaltend de Polizei reagiert hatte, als Menschen in Lebensgefahr waren, als die Skinheads ihre Molotowcocktails in die Asylantenheime warfen. Da war die Polizei nicht da.

Da das Polizeirevier uns nicht alle aufnehmen konnte, mussten wir die ganze Nach in einer kalten Turnhalle verbringen, die zum Polizeirevier gehörte. Der Bus blieb im Hof stehen, wir wurden die ganze Nacht verhört, ungefähr bis 4 Uhr morgens. Ein Staatsanwalt wurde aus Westdeutschland hinzugezogen und der französische Konsul traf aus Hamburg bei uns ein. Am nächsten Morgen durften wir gegen 11 Uhr unseren Bus besteigen. Die drei Zurückgebliebenen wurden dann in Rostock angeklagt.

Wir waren aber fest davon überzeugt, dass wir richtig gehandelt hatten und das die jüdischen Opfer das Recht auf Einmischen in Deutschland hatten, wenn Neo-Nazis mit Gewalttaten gegen Asylanten vorgingen. Unser Vorgehen wich wahrscheinlich von den üblichen Gegendemonstrationen ab, aber wir haben immer wieder behauptet : das Recht der Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich war gerecht, selbst wenn wir gegen das Gesetz verstiessen, das will aber nicht viel heissen.

Unsere Organisation ist natürlich sehr erfreut, dass diese Tafel , deren Text von uns geschrieben wurde, heute hier am Rathaus angebracht wird. Zu dieser Tafel gehört natürlich auch die Beschreibung darüber, unter welchen Bedingungen die erste Tafel im Oktober 1992 geklebt werden konnte. Wir wollen nicht dass der Eindruck entsteht, es war eine offizielle Veranstaltung mit Zustimmung des Bürgermeisters.

Nein, es war eine kleine Gruppe von französischen Juden, die mit ihrem Vorgehen hier auf eine allgemeine Ablehnung stiess, und von der Polizei brutalisiert wurde. Aber sie hatte diese Solidaritätsaktion mit gutem Gewissen durchgeführt, denn sie war sich ihren Verpflichtungen bewusst, dort einzuschreiten, wo Menschen verfolgt werden und in Todesgefahr sind.

Deswegen, liebe Teilnehmer dieser Veranstaltung, vergesst nicht, wer diese erste Tafel angebracht hat und unter welch schwierigen Bedingungen.

Beate Klarsfeld und alle Mitglieder der Fils et Filles des Déportés Juifs de France

Gedenktafel

Telefonnummer Ermittlungsausschuss / Infotelefon

Unter dieser Nummer könnt ihr heute den Ermittlungsausschuss in Rostock erreichen:

0176 / 94 36 94 25

Informationen benötigt? Oder habt ihr Informationen für uns? Dann erreicht ihr das Infotelefon unter:

0176 / 706 407 29

Infotelefon

Morgen ab 9 Uhr könnt ihr unter der Nummer:

0176 – 706 407 29

Infos zur Demoroute und Zeitplan erfragen sowie Infos von der Demo an uns weitergeben.

Bitte beachtet auch als Informationsquelle unseren Twitteraccount: @20JahreLichtenh

Endspurt in Rostock

In wenigen Tage ist es soweit. Diesen Sonnabend findet die lang vorbereitete antirassistische Demonstration „Grenzenlose Solidarität“ im Nordwesten Rostocks statt. Die letzten Tage und Wochen wurde in MV auf die verschiedensten Arten auf die Demo aufmerksam gemacht. Hier ein paar Impressionen von den Aktionen.


Die Plakate mit der Schrift der Plakate, die Beate Klarsfeld 1993 am Rostocker Rathaus anbringen wollte, hängen nahezu überall.


Die letzten Naziaufkleber werden im Stadtbild entfernt.


Die Bewohner_Innen Rostocks wurden mit tausenden Flyern auf die Demo aufmerksam gemacht.


Auch die klassischen gelben Plakate hängen an fast jeder Ecke.

Wir sehen uns am Sonnabend
- 11Uhr auf dem Neuen Markt zur Kundgebung,
- 14Uhr Bahnhof Lütten Klein zur Demo und
-anschließend auf der musikalischen Abschlusskundgebung in Lichtenhagen

Das gebrannte Kind von Rostock-Lichtenhagen Innenminister Caffier verharmlost rechte Gewalt

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) erklärt:

Als Anmelderin und MitorganisatorInnen der bundesweiten Demonstration am 25. August 2012 im Gedenken an das Pogrom in Rostock –Lichtenhagen vor 20 Jahren sind wir entsetzt über die Geschichtsvergessenheit des mecklenburgischen Innenministers Caffier. Er befürchtet „linksextremistische Ausschreitungen“ am kommenden Wochenende und gibt sich wehrhaft. „Es wird nicht passieren, dass wir zu wenige Einsatzkräfte haben. Da bin ich ein gebranntes Kind“ oder etwa zu heiß gebadet?

Ausgerechnet im Vorfeld der Gedenkdemonstration unter dem Motto „20 Jahre nach den Pogromen – Grenzenlose Solidarität“ stellt Caffier, in dessen Bundesland die geistigen Brandstifter der NPD sogar im Parlament sitzen, die Tatsachen auf den Kopf. Nicht gegenüber der antifaschistischen Solidaritätsdemonstration am 29. August 1992 hat die Polizei versagt, sondern gegenüber den Pogromisten und Mordbrennern von Lichtenhagen eine Woche zuvor. Die wenigen mutigen AntifaschistInnen, die am 23. August 1992 versuchten, sich dem rassistischen Mob in den Weg zu stellen, wurden erhaftet. Der Mob tobte unter den Augen der Polizei weiter. Am Montag dem 24. August 1992 konnte der Mob Vollzug melden: Lichtenhagen war „ausländerfrei“.

Diejenigen, die ihre Solidarität mit den gewaltsam vertriebenen Flüchtlingen und ehemaligen vietnamesischen VertragsarbeiterInnen demonstrieren wollten, traf nur einige Tage später die geballte Staatsgewalt. Stundenlang wurden Busse mit AntifaschistInnen aufgehalten und durchsucht, olizeihubschrauber hielten Autokonvois an, abertausende Polizisten waren im Einsatz. Sind das die Bilder die Caffier wiederholen will? Neonazis, Rassisten und diejenigen, die sich schon damals als die eigentlichen Opfer sahen, diejenigen Bürger deren Sorge mehr dem Ansehen von Lichtenhagen, Rostock und Deutschlands galten, als den gehetzten und gequälten Immigranten von Lichtenhagen, werden sich ins Fäustchen lachen.

Die VVN-BdA wurde 1947 von Menschen gegründet, die Rassismus, Verfolgung und Ausgrenzung am eigenen Leib erfahren hatten, aber auch Unterstützung und Solidarität. Für viele von uns hat das Pogrom von Lichtenhagen schlimmste Erinnerungen wachgerufen.

Am 25. August 2012 werden wir dem Pogrom von 1992 gedenken. Am Rostocker Rathaus wird um 11 Uhr eine Gedenktafel angebracht werden, die an die
Ereignisse von 1992 erinnert. Bereits im Oktober 1992 hatte eine Gruppe französischer Juden und Roma dies vergeblich versucht.

Ab 14 Uhr startet eine antifaschistische Gedenkdemonstration am S-Bahnhof Lütten-Klein, die zum Sonnenblumenhaus führt. Zur Demonstration haben mehr als 100 Organisationen und Gruppen aufgerufen.

Grenzenlose Solidarität statt Rassismus!

Jusos und Grüne Jugend mit eigenem Aufruf zur Demo am Start

Die Jusos und die Grüne Jugend haben einen gemeinsamen Aufruf für die Demonstration diesen Sonnabend veröffentlicht. Den Text als pdf-Datei findet ihr hier.

Filou vom Berlin Boom Orchestra zu den Pogromen 1992 in Rostock

Ich habe als Kind die Pogrome im Fernsehen gesehen. Tausende Anwohnerinnen und Anwohner klatschten im Schein eines brennenden
Wohnhauses Beifall für jeden Molotowcocktail und riefen „Deutschland den Deutschen.“ Meine Eltern waren danach mit mir auf einer
Lichterketten-Demo in Berlin. Meine erste Demo. Rostock war nicht das erste Pogrom in Deutschland und leider auch nicht das letzte. Die Demo
war auch nicht meine letzte. Lichterketten sehen vielleicht schön aus, aber sie haben gegen den Rassismus der „ganz normalen Deutschen“ wenig
ausrichten können. Ein Sarrazin kann mit rassistischen Themen punkten, Behörden schikanieren Flüchtlinge und eine Naziterrorbande kann
jahrelang mit Unterstützung deutscher Geheimdienste Menschen ermorden, die die meisten „ganz normalen Deutschen“ wohl nicht als Teil dieses
Landes betrachten würden. Ich finde es wichtig, Solidarität mit von Rassismus Betroffenen zu zeigen und meine Rolle als weiße, privilegierte
Person zu hinterfragen. Deshalb fahre ich nach Rostock und weil einer Gesellschaft, die solche Dinge hervorbringt, mit allen Mitteln und auf
allen Ebenen entgegengetreten werden muss.

Es geht nicht nur darum sich zu erinnern und zu mahnen, sondern auch darum, etwas gegen Rassismus zu unternehmen

Erklärung des Migrantenrates der Hansestadt Rostock zu „20 Jahre Lichtenhagen“
Rostock, 20.08.2012

Die schrecklichen Ereignisse von Lichtenhagen sind neben Mölln, Solingen, Hoyerswerda und vielen anderen nur ein Teil der rechtextremistischen und rassistischen Gewalt in Deutschland.

Die Spitze des Eisbergs der rassistischen Gewalt sind die bis jetzt unerklärlichen Terror-Morde der Nazi-Terrorzelle NSU an Migranten in den letzten Jahren.

Die vollkommene Aufklärung dieser feigen Morde und die Verbindung der NPD mit dem NSU und der Nazi-Terror in Deutschland müssen nicht jahrelang andauern. Die juristische Aufklärung der Ereignisse von Lichtenhagen hat 10 Jahre gedauert und nur ironische Bestrafungen hervorgebracht (nur 3 Gefängnisstrafen und 3 weitere auf Bewährung). Heute, so wie damals, hat man wichtiges Aufklärungsmaterial verschwinden lassen und die politischen Verantwortlichen für das katastrophale Krisenmanagement auf Kommunal- Landes- und Bundesebenen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen. So etwas darf sich nicht wiederholen!

Wenn etwas aus dem Pogrom von Lichtenhagen aus unserer Sicht zu lernen ist, dann dass MigrantInnen und Menschen nicht als Kanonenfutter politischer Kämpfe und Auseinandersetzungen ausgenutzt werden dürfen. Damals wurden die schweren Ausschreitungen von Lichtenhagen dazu benutzt, die Asyldebatte im Bundestag zu beenden und das Asylrecht im Grundgesetz zu ändern.

Auf Grund der neuen Entdeckungen und Studien, muss die Geschichte der rechtextremistischen Gewalt und die Rolle des Staates (besonders die Rolle des Verfassungsschutzes) bei ihrer Bekämpfung in den letzten 20 Jahren neu geschrieben werden und Lichtenhagen ist ein wichtiges Kapitel in dieser Geschichte.

Es ist eine Schande für dieses Land, dass es bis heute nicht eine Gedenktafel, nicht ein Denkmal, nicht ein Museum gibt, das die jetzigen und zukünftigen Generationen an diese schrecklichen Ereignisse erinnert, mahnt und aufklärt. Die Politik und die Gesellschaft tun sich in diesen Fragen schwer. Das beweist auch der erfolglose Versuch der Initiative den Neudierkower Weg nach dem Rostocker Opfer der rechten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in Mehmet-Turgut-Weg umbenennen zu lassen.

Aus unserer Sicht und aufgrund der Lehre von Lichtenhagen und vieler anderer Tatsachen müsste die NPD schon lange verboten worden sein. Stattdessen hören wir immer noch seit mehr als 10 Jahren von einigen Politikern das alte Lied „mit dem Verbot lösen wir nicht das Problem“. Das wissen wir, die wir auch die tägliche Aufklärungsarbeit gegenüber Rassismus und Rechtsextremismus bereits seit vielen Jahren durchführen. Dieses Verbot aber ist ein wichtiger Aspekt und Teil einer Gesamtstrategie zur Bekämpfung des Rechtextremismus in Deutschland.

Die Lektionen der Lichtenhagener Ereignisse müssen uns helfen, Fehler nicht zu wiederholen. Die Asylbewerber brauchen bessere und menschenwürdigere Lebensbedingungen. Die dezentrale Unterbringung der Asylbewerber muss vollzogen werden. Es ist bewiesen, dass es viel billiger ist, diese Menschen in Wohnungen unterzubringen, statt in Heimen, weg von Städten und in großen Konzentrationen.

In den nächsten Tagen werden viele Aktivitäten, Diskussionen, Treffen, Demonstrationen, etc. in Rostock stattfinden. Wir rufen alle Bürger und Bürgerinnen dazu auf, sich aktiv und friedlich daran zu beteiligen. Nur mit einer aktiven und friedlichen Partizipation der Mehrheit der Gesellschaft kann man den Rassismus und Rechtextremismus stoppen.

Kontakt: Migrantenrat der HRO (MIGRO), Telefax: 0381-4591001, E-Mail: ABRO-[ätt]t-online.de

„break the silence“: neue Termine

20 Jahre nach dem Pogrom in Rostock Lichtenhagen Wir werden es nie vergessen Veranstaltung Bonn Fr 17.8.2012 Limes Bonn Theaterstr 2 20 Uhr Eintritt frei Pogrome und Angriffe auf Flüchtlinge in Bonn, Rhein-Sieg-Kreis und in Rostock Zeitzeugen berichten.
Veranstalter: Antifa Bonn/Rhein-Sieg, ASJ Bonn
http://breakthesilence.blogsport.de/2012/08/16/20-jahre-nach-dem-progrom-in-rostock-lichtenhagen-wir-koennen-es-nicht-vergessen/
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Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen Zeitzeugen Veranstaltung Marburg 21.08 Di 21.08.2012 – 20:30 – Cafe am Grün – Am Grün 28 – 35037 Marburg
Veranstalter: breakthesilence.blogsport.de
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Filmvorführung: The Truth Lies In Rostock Mittwoch 22.08.2012, Kult 41 (Hochstadenring 41) Bonn, 20:00 Uhr
Veranstalter: ASJ Bonn, Gruppe Phoenix
http://asjbonn.blogsport.de/2012/08/13/filmvorfuehrung-the-truht-lies-in-rostock/

Безграничная солидарность – Призыв к антифашистской демонстрации в Ростоке-Лихтенхагене!

Антифашистская демонстрация в Ростоке-Лихтенхагене 25 августа 2012 года

25 августа 2012 года 14 часов / Вокзал Люттен-Кляйн

20 лет назад весь мир обошли обжигающие душу репортажи из Германии, которые, казалось были взяты из истории: горящие дома, спасающиеся бегством люди, разнузданный сброд, науськанный неофашистскими манипуляторами, аплодирующая публика, безответственные „ответственные“.
Союз, основанный на враждебности общества по отношению к иностранцам, на подстрекательской пропаганде средств массовой информации и бытовом расизме стал причиной страха за свою жизнь вьетнамских трудовых мигрантов, а также беженцев, среди которых было много лиц цыганской национальности. Горящая многоэтажка с подсолнухами на фасаде стала символом вновь обьединённой Германии.
Всего лишь несколько недель спустя после этого погрома Бундестаг большинством голосов принял решение об отмене права на убежище. При этом не был наложен запрет на деятельность таких партий, как НПД или её отпрыск „ Гамбургер листе – Ауслендерстоп “, которые занимались подстрекательской деятельностью в Ростоке непосредственно перед началом погромов. Деятельность неофашистских организаций и групп не находит решительного пресечения и до сих пор. Одновременно с этим создаются препятствия антифашистским инициативам, которые клеветнически объвляются экстремистскими.
Политическая дискуссия сегодня отравлена соображениями прагматизма. Изоляция и навешевание ярлыков на мигрантов и беженцев имеют по-прежнему глубокие корни в обществе. Примером тому является „ Европа – крепость“ и лагерь для выдворения иностранцев в Хорсте (Земля Мекленбург- Передняя Померания).
Выступая против этого, мы как и ранше, так и теперь проявляем свою солидарность с жертвами учрежденческого и бытового расизма.

Мы требуем положить конец
- выдворению иностранцев, требованию обязательного местонахождения и запрету
на работу
- преследованию цыган в Восточной Европы и других местах
- терпимости в отношении фашистской идеологии и насилия
- криминализации антифашистов!
Мы требуем сделать Дрезден, Росток, Дортмунд и все другие города свободными от фашистов!

„Asylmonologe“ – Bühne für Menschenrechte/ Actors for human rights unterstützten die Demonstration in Rostock

Bühne für Menschenrechte

Zum Abschluss der Demonstration am 25.08.2012 in Rostock-Lichtenhagen in unmittelbarer Nähe des Sonnenblumenhauses werden die Bühne für Menschenrechte / Actors for human rights mit einer Dokumentarisches Theateraktion /Lesung das Anliegen der Demonstrant_innen unterstützen.

„Die Asyl-Monologe“
Auszüge aus „Fellekes Monolog“ und „Alis Monolog“

Die Asyl-Monologe erzählen von Ali aus Togo, von Freunden liebevoll „Präsident“ genannt, Felleke aus Äthiopien, der erst willensstark Abschiebeversuche verhindern muss, um dann einen Menschenrechtspreis überreicht zu bekommen, und Safiye, die nach Jahren der Haft in der Türkei und einer absurden Asylablehnung sich für das Lebensbejahenste überhaupt entscheidet: sie schenkt einem Sohn und einer Tochter das Leben.

Dramaturgie und Regie: Michael Ruf
mit Asad Schwarz-Msesilamba und Konstantin Moreth
www.buehne-fuer-menschenrechte.de

Die Bettenbörse ist eröffnet!

Hiermit eröffnen wir feierlich die Bettenbörse für das Wochenende am 25./26. August. Wenn ihr an dem Aktionswochenende in Rostock einen Schlafplatz braucht, meldet euch unter dieser Mail. Wichtig: gebt an, wieviele ihr seid, wann ihr kommt und wie lange ihr bleiben wollt. Außerdem schreibt bitte, ob ihr mit oder ohne Auto kommt. Isomatte und Schlafsack sollten alle dabei haben, damit es angenehm kuschelig wird.

Kontakt: pennplatz_rostock[ätt]systemausfall.org