Filou vom Berlin Boom Orchestra zu den Pogromen 1992 in Rostock

Ich habe als Kind die Pogrome im Fernsehen gesehen. Tausende Anwohnerinnen und Anwohner klatschten im Schein eines brennenden
Wohnhauses Beifall für jeden Molotowcocktail und riefen „Deutschland den Deutschen.“ Meine Eltern waren danach mit mir auf einer
Lichterketten-Demo in Berlin. Meine erste Demo. Rostock war nicht das erste Pogrom in Deutschland und leider auch nicht das letzte. Die Demo
war auch nicht meine letzte. Lichterketten sehen vielleicht schön aus, aber sie haben gegen den Rassismus der „ganz normalen Deutschen“ wenig
ausrichten können. Ein Sarrazin kann mit rassistischen Themen punkten, Behörden schikanieren Flüchtlinge und eine Naziterrorbande kann
jahrelang mit Unterstützung deutscher Geheimdienste Menschen ermorden, die die meisten „ganz normalen Deutschen“ wohl nicht als Teil dieses
Landes betrachten würden. Ich finde es wichtig, Solidarität mit von Rassismus Betroffenen zu zeigen und meine Rolle als weiße, privilegierte
Person zu hinterfragen. Deshalb fahre ich nach Rostock und weil einer Gesellschaft, die solche Dinge hervorbringt, mit allen Mitteln und auf
allen Ebenen entgegengetreten werden muss.

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