Archiv für Dezember 2012

HRO: 17.12.2012 – Die Gedenktafel kehrt zurück – Teil 2

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der
Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V [VVN-BdA]

Kundgebung zur Wiederanbringung der Gedenktafel am Rathaus Rostock

Montag, 17. Dezember 2012 | 11.00 | Rathaus Rostock | Neuer Markt

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen,

wir möchten Sie / Euch zur öffentlichen Wiederanbringung der kürzlich von Neonazis entwendeten Gedenktafel am Rathaus Rostock einladen.
Die Tafel sollte an das Pogrom von 1992 in Rostock-Lichtenhagen erinnern, die Opfer und die Täter benennen.

Die ur­sprüng­li­che Tafel, die am 19. Ok­to­ber 1992 Beate Klars­feld und die Or­ga­ni­sa­ti­on “Les Fils et Fil­les des Déportés Juifs de Fran­ce” (Söhne und Töch­ter der de­por­tier­ten Juden aus Frank­reich) am Rat­haus an­ge­bracht hatte, war da­mals so­fort von der Stadt Ros­tock und der Po­li­zei ent­fernt wor­den. Heute ist die Ori­gi­nal-​Ta­fel in der Stadt­ver­wal­tung Ros­tock nicht mehr auf­find­bar.

Eine Re­plik der Tafel konn­te durch die VVN-​BdA im Au­gust 2012 nur unter star­kem öf­fent­li­chem Druck an­ge­bracht wer­den. Auch da­nach
blieb die Ge­denk­ta­fel in der Ros­to­cker Bür­ger­schaft stark um­strit­ten.
Wir haben uns aber gefreut, dass die Anbringung der Tafel eine erneute Diskussion um einen Erinnerungsort in Rostock befördert hat.

20 Jahre öf­fent­li­ches Schwei­gens sind genug. Es ist nun an der Stadt Ros­tock end­lich eine brei­te Dis­kus­si­on um das Ge­den­ken an das Po­grom von 1992 zu füh­ren und sehr bald einen Er­in­ne­rungs-​und Ge­denk­ort ein­zu­rich­ten. Dabei soll­ten auch Beate Klars­feld und die Or­ga­ni­sa­ti­on “Les Fils et Fil­les des Déportés Juifs de Fran­ce”, Ver­tre­te­rin­nen der Sinti und Roma und der viet­na­me­si­schen Com­mu­ni­ty in Deutsch­land ein­be­zo­gen wer­den.

Nicht zuletzt möchten wir aber auch unsere Solidarität mit den Flüchtlingen nicht nur in Mecklenburg Vorpommernzum Ausdruck bringen. An ihrer katastrophalen Lebenssituation Situation hat sich in den letzten 20 Jahren wenig geändert. So finden seit mehreren Wochen Massenabschiebungen von Roma nach Serbien, Mazedonien und Kosovo unter anderem aus Mecklenburg­Vorpommern, Baden-­Würtemberg und Nordrhein­Westfalen statt. Flüchtlinge sind nach wie vor gezwungen in Lagern wie z.B. in Horst unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben, sind der Residenzpflicht unterworfen.

Da­ge­gen set­zen wir da­mals wie heute So­li­da­ri­tät mit den Op­fern in­sti­tu­tio­nel­len und all­täg­li­chen Ras­sis­mus. Wir stehen ein für das Men­schen­recht auf Asyl, für Teil­ha­be aller Men­schen am Wohl­stand, für die so­zia­len und de­mo­kra­ti­schen Rech­te Aller hier und über­all.

Wir fo­rdern:
- Schluss mit Ab­schie­bun­gen, Re­si­denz­pflicht und Ar­beits­ver­bot!
- Stoppt die Ver­fol­gung von Roma in Ost­eu­ro­pa und über­all!
- Keine To­le­ranz für fa­schis­ti­sche Ideo­lo­gie und Ge­walt!
- Dres­den, Ros­tock, Dort­mund, alle Städ­te na­zi­frei!

Gegen Ras­sis­mus – für gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät!

E-​Mail: bundesbuero@​vvn-bda.​de

www.​vvn-bda.​de

PM: Für immer Rostock?

Für immer Rostock?

Nur drei Monate nach der Anbringung-
Gedenktafel in Rostock entwendet -
Neonazis schänden Gedenken an die Opfer des Pogroms von 1992

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
kündigt neue Tafel an

Tafel Rostock

Bundesvorsitzende der VVN-BdA Cornelia Kerth bei der Aufhängung der Gedenktafel im August 2012

In der Nacht zum 5. Dezember 2012 entwendeten Neonazis am Rathaus von Rostock die Gedenktafel an das Pogrom in Rostock Lichtenhagen. Die Täter ließen eine Tafel mit der Aufschrift „Für immer Deutschland“ zurück. Das „s“ in Deutschland war in Runenschrift geschrieben worden.

Schon am9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, waren elf Stolpersteine in Greifswald von Neonazis gestohlen worden. Am 16. November wurden Neonazischmierereien in Rostock-Lichtenhagen entdeckt, neben mehreren Hakenkreuzen auch das Wort Hass. Der Buchstabe „s“ wurde auch hier als Sigrune ausgeführt.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen erklärt dazu:

Einen Tag vor der Beratung der Innenminister der Länder über das Verbot der neonazistischen NPD schritt das Klientel der Neonazi-Partei zur Tat. Die Hansestadt Rostock steht jetzt, 20 Jahre nach dem Pogrom, wiederum ohne Gedenkzeichen an die Ereignisse vom August 1992 da.

Die ursprüngliche Tafel, die am 19. Oktober 1992 von Beate Klarsfeld und die Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France” (Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich) am Rathaus´angebracht hatte, war damals sofort von der Stadt Rostock und der Polizei entfernt worden. Heute ist die Original-Tafel in der Stadtverwaltung Rostock nicht mehr auffindbar.

Eine Replik der Tafel konnte durch die VVN-BdA im August 2012 nur unter starkem öffentlichem Druck angebracht werden. Auch danach blieb die Gedenktafel in der Rostocker Bürgerschaft stark umstritten.

Die VVN-BdA erklärt weiter:

20 Jahre öffentliches Schweigen sind genug. Es ist nun an der Stadt Rostock endlich eine breite Diskussion um das Gedenken an das Pogrom von 1992 zu führen und sehr bald einen Erinnerungs-und Gedenkort einzurichten. Dabei sollten auch Beate Klarsfeld und die Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France”, Vertreterinnen der Sinti und Roma und der vietnamesischen Community in Deutschland einbezogen werden.

Es waren Juden aus Frankreich, die als erste an das Pogrom erinnerten. Es waren Arbeitsmigranntinnen und Flüchtlinge, die in Rostock von Neonazis und Rostocker_innen angegriffen und vertrieben wurden. Es liegt an den Rostockern, ob sie sich den rassistischen Zuständen stellen wollen – oder eben nicht.

Die VVN-BdA wird noch vor Weihnachten eine neue Gedenktafel am Rathaus anbringen. Sollte sich bis dahin das in der Stadtverwaltung „verlorene“ Original anfinden, würden wir uns sehr freuen.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Bundesvereinigung

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