Archiv für April 2013

Nach der Eiche: Zur Diskussion des Gedenkens an Rostock­-Lichtenhagen: Die Natur der Nation

Von deutschen Eichen, heiligen Hainen und ewigen Wäldern
Vortrag von Johannes Zechner (Freie Universität Berlin)
30. April 2013 // Universität Rostock
17.15 Uhr // Ulmenstraße 69 // Raum 018

Im letzten Sommer rief die Pflanzung einer Eiche zum Gedenken an die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen heftige Kritik hervor. Letztendlich wurde der Baum von Unbekannten nach wenigen Tagen gefällt und bis heute kein Ersatz gepflanzt. Stattdessen diskutieren Lokalpolitik und Zivilgesellschaft über angemessene Formen der Erinnerung.

Doch warum hat sich an der Symbolik ‚deutscher Eichen‘ eine Kontroverse entzündet? Eine Veranstaltung des Instituts für Politik- und
Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock will dieser Frage in einer Veranstaltung mit Johannes Zechner unter dem Titel ‚Die Natur der Nation. Von deutschen Eichen, heiligen Hainen und ewigen Wäldern 1800-1945′ nachgehen.
Der Historiker forscht an der Freien Universität Berlin über den Wald in der Ideengeschichte des deutschen Nationalismus.
Dessen vorgebliche Prinzipien von Unveränderlichkeit, Unterordnung und Ungleichheit fungierten seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts als Gegenbild zur Gesellschaftsordnung der Französischen Revolution von 1789 mit ihren Werten von Freiheit und Gleichheit. Intellektuelle und Ideologen erklärten den ‚deutschen Wald‘ zur prototypischen Nationalnatur, womit gleichermaßen der Aufstieg der ‚deutschen Eiche‘ und des ‚heiligen Haines‘ zum Symbol eigener Geschichte und Kultur begann.

Der Vortrag geht anhand zahlreicher Quellenbelege zwischen Romantik und Nationalsozialismus der Frage nach, wie Poeten, Philologen, Publizisten und Propagandisten nationale Identität in einer vorgestellten Waldnatur begründen wollten.

Die Veranstaltung des Instituts für Politik- und
Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock und von context.
Bausteine für historische und politische Bildung e.V. kann mit
Unterstützung des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des AStA der
Universität Rostock stattfinden.