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„Lichtenhagen kommt (nie) wieder“ ?

26. August 2013 // 19:30 Café Median // Rostock

„Lichtenhagen kommt (nie) wieder“ ?
- 21 Jahre nach dem rassistischen Pogrom in Rostock-Lichtenhagen

Hellersdorf_berlin

Tagelang wütete im August 1992 ein gewalttätiger Mob und Neonazis unter dem Beifall Tausender BürgerInnen vor der Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) und einem Wohnheim ehemaliger vietnamesischer VertragsarbeiterInnen und steckte die Häuser schließlich in Brand, in denen sich noch etwa Hundert Menschen aufhielten.
Die Polizei und die politisch Verantwortlichen der Kommune, des Landes sowie des Bundes zeigten sich unwillig und unfähig, den tobenden rassistischen Mob aufzuhalten und die Betroffenen zu schützen. Stattdessen verständigten sich CDU/CSU, FDP und SPD noch während des Pogroms über die de facto Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.

Bis heute ist die öffentliche Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Pogrom in Rostock, MV aber auch auf Bundesebene marginal und oftmals von linken Zusammenhängen organisiert. Ein festes mahnendes Gedenken in Rostock sucht man immer noch vergebens. Während dessen findet erneut ein gesellschaftlicher Rechtsruck statt: BürgerInnen und Nazis hetzen wieder überall in Deutschland gegen Flüchtlinge, unterstützt durch Medien und eine passive Politik, Flüchtlingslager werden angegriffen. Dabei wird oft mit Sprüchen wie „Lichtenhagen kommt wieder“ oder „Rostock ist nüberall“ gedroht, so geschehen in Güstrow, Wolgast oder Waßmannsdorf (BB).

Die Podiumsdiskussion blickt zurück auf die Gedenkveranstaltungen zum 20. Jahrestag des Pogroms und darauf, was sich seither in Rostock getan hat. Wie kann ein Gedenken zwischen Stümphen und abseits der „großen Jahrestage“ aussehen? Welche Rolle muss und kann dabei die linke Szene spielen? Welche Lehren müssen gerade angesichts der derzeitig zunehmenden rassistischen Hetze gegen Flüchtlinge aus Rostock-Lichtenhagen für eine linke Intervention gezogen werden?

Podiumsgäste sind:

Markus Tervooren (Geschäftsführer VVN-BdA e.V.; Mitorganisator der
Gedenkdemostration zum 20. Jahrestag des Pogroms)
Dirk Stegemann (Aktivist aus Berlin; Unterstützter des Refugee-Protest)
Uljana Petrovic (Antirassistische Initiative Rostock)
Moderation: Antifa Rostock

HRO: 17.12.2012 – Die Gedenktafel kehrt zurück – Teil 2

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der
Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V [VVN-BdA]

Kundgebung zur Wiederanbringung der Gedenktafel am Rathaus Rostock

Montag, 17. Dezember 2012 | 11.00 | Rathaus Rostock | Neuer Markt

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen,

wir möchten Sie / Euch zur öffentlichen Wiederanbringung der kürzlich von Neonazis entwendeten Gedenktafel am Rathaus Rostock einladen.
Die Tafel sollte an das Pogrom von 1992 in Rostock-Lichtenhagen erinnern, die Opfer und die Täter benennen.

Die ur­sprüng­li­che Tafel, die am 19. Ok­to­ber 1992 Beate Klars­feld und die Or­ga­ni­sa­ti­on “Les Fils et Fil­les des Déportés Juifs de Fran­ce” (Söhne und Töch­ter der de­por­tier­ten Juden aus Frank­reich) am Rat­haus an­ge­bracht hatte, war da­mals so­fort von der Stadt Ros­tock und der Po­li­zei ent­fernt wor­den. Heute ist die Ori­gi­nal-​Ta­fel in der Stadt­ver­wal­tung Ros­tock nicht mehr auf­find­bar.

Eine Re­plik der Tafel konn­te durch die VVN-​BdA im Au­gust 2012 nur unter star­kem öf­fent­li­chem Druck an­ge­bracht wer­den. Auch da­nach
blieb die Ge­denk­ta­fel in der Ros­to­cker Bür­ger­schaft stark um­strit­ten.
Wir haben uns aber gefreut, dass die Anbringung der Tafel eine erneute Diskussion um einen Erinnerungsort in Rostock befördert hat.

20 Jahre öf­fent­li­ches Schwei­gens sind genug. Es ist nun an der Stadt Ros­tock end­lich eine brei­te Dis­kus­si­on um das Ge­den­ken an das Po­grom von 1992 zu füh­ren und sehr bald einen Er­in­ne­rungs-​und Ge­denk­ort ein­zu­rich­ten. Dabei soll­ten auch Beate Klars­feld und die Or­ga­ni­sa­ti­on “Les Fils et Fil­les des Déportés Juifs de Fran­ce”, Ver­tre­te­rin­nen der Sinti und Roma und der viet­na­me­si­schen Com­mu­ni­ty in Deutsch­land ein­be­zo­gen wer­den.

Nicht zuletzt möchten wir aber auch unsere Solidarität mit den Flüchtlingen nicht nur in Mecklenburg Vorpommernzum Ausdruck bringen. An ihrer katastrophalen Lebenssituation Situation hat sich in den letzten 20 Jahren wenig geändert. So finden seit mehreren Wochen Massenabschiebungen von Roma nach Serbien, Mazedonien und Kosovo unter anderem aus Mecklenburg­Vorpommern, Baden-­Würtemberg und Nordrhein­Westfalen statt. Flüchtlinge sind nach wie vor gezwungen in Lagern wie z.B. in Horst unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben, sind der Residenzpflicht unterworfen.

Da­ge­gen set­zen wir da­mals wie heute So­li­da­ri­tät mit den Op­fern in­sti­tu­tio­nel­len und all­täg­li­chen Ras­sis­mus. Wir stehen ein für das Men­schen­recht auf Asyl, für Teil­ha­be aller Men­schen am Wohl­stand, für die so­zia­len und de­mo­kra­ti­schen Rech­te Aller hier und über­all.

Wir fo­rdern:
- Schluss mit Ab­schie­bun­gen, Re­si­denz­pflicht und Ar­beits­ver­bot!
- Stoppt die Ver­fol­gung von Roma in Ost­eu­ro­pa und über­all!
- Keine To­le­ranz für fa­schis­ti­sche Ideo­lo­gie und Ge­walt!
- Dres­den, Ros­tock, Dort­mund, alle Städ­te na­zi­frei!

Gegen Ras­sis­mus – für gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät!

E-​Mail: bundesbuero@​vvn-bda.​de

www.​vvn-bda.​de

PM: Für immer Rostock?

Für immer Rostock?

Nur drei Monate nach der Anbringung-
Gedenktafel in Rostock entwendet -
Neonazis schänden Gedenken an die Opfer des Pogroms von 1992

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten
kündigt neue Tafel an

Tafel Rostock

Bundesvorsitzende der VVN-BdA Cornelia Kerth bei der Aufhängung der Gedenktafel im August 2012

In der Nacht zum 5. Dezember 2012 entwendeten Neonazis am Rathaus von Rostock die Gedenktafel an das Pogrom in Rostock Lichtenhagen. Die Täter ließen eine Tafel mit der Aufschrift „Für immer Deutschland“ zurück. Das „s“ in Deutschland war in Runenschrift geschrieben worden.

Schon am9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, waren elf Stolpersteine in Greifswald von Neonazis gestohlen worden. Am 16. November wurden Neonazischmierereien in Rostock-Lichtenhagen entdeckt, neben mehreren Hakenkreuzen auch das Wort Hass. Der Buchstabe „s“ wurde auch hier als Sigrune ausgeführt.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Antifaschistinnen erklärt dazu:

Einen Tag vor der Beratung der Innenminister der Länder über das Verbot der neonazistischen NPD schritt das Klientel der Neonazi-Partei zur Tat. Die Hansestadt Rostock steht jetzt, 20 Jahre nach dem Pogrom, wiederum ohne Gedenkzeichen an die Ereignisse vom August 1992 da.

Die ursprüngliche Tafel, die am 19. Oktober 1992 von Beate Klarsfeld und die Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France” (Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich) am Rathaus´angebracht hatte, war damals sofort von der Stadt Rostock und der Polizei entfernt worden. Heute ist die Original-Tafel in der Stadtverwaltung Rostock nicht mehr auffindbar.

Eine Replik der Tafel konnte durch die VVN-BdA im August 2012 nur unter starkem öffentlichem Druck angebracht werden. Auch danach blieb die Gedenktafel in der Rostocker Bürgerschaft stark umstritten.

Die VVN-BdA erklärt weiter:

20 Jahre öffentliches Schweigen sind genug. Es ist nun an der Stadt Rostock endlich eine breite Diskussion um das Gedenken an das Pogrom von 1992 zu führen und sehr bald einen Erinnerungs-und Gedenkort einzurichten. Dabei sollten auch Beate Klarsfeld und die Organisation “Les Fils et Filles des Déportés Juifs de France”, Vertreterinnen der Sinti und Roma und der vietnamesischen Community in Deutschland einbezogen werden.

Es waren Juden aus Frankreich, die als erste an das Pogrom erinnerten. Es waren Arbeitsmigranntinnen und Flüchtlinge, die in Rostock von Neonazis und Rostocker_innen angegriffen und vertrieben wurden. Es liegt an den Rostockern, ob sie sich den rassistischen Zuständen stellen wollen – oder eben nicht.

Die VVN-BdA wird noch vor Weihnachten eine neue Gedenktafel am Rathaus anbringen. Sollte sich bis dahin das in der Stadtverwaltung „verlorene“ Original anfinden, würden wir uns sehr freuen.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Bundesvereinigung

Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Tel.: +49 (0)30-29784174, Fax: +49 (0)30-29784179

E-Mail: bundesbuero@vvn-bda.de

www.vvn-bda.de

PM: Weitere geplante Massenabschiebungen von Roma aus MV und Hamburg stoppen!

Gemeinsame Pressemitteilung der Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen“, der Antirassistischen Initiative Rostock, des Flüchtlingsrats Hamburg, des Arbeitskreis Roma- und Roma-UnterstützerInnen Hamburg, der VVN-BdA e.V. Mecklenburg-Vorpommern, der VVN-BdA e.V. Berlin sowie der Grünen Jugend MV

Berichten von Flüchtlingen zu Folge sind in den kommenden Tagen und Wochen weitere Abschiebungen von Roma aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg geplant. Schon morgen soll mindestens eine weitere Roma-Familie, die sich derzeit in dem Erstaufnahme- und Abschiebelager in Horst bei Boizenburg befindet, über Hamburg in ihr Herkunftsland Mazedonien abgeschoben werden. Für den 10.12.2012 plant die Regierung von MV eine Sammelabschiebung von Roma aus dem Lager Horst per Reisebus nach Serbien, darunter wiederholt viele Kinder. Von dieser sollen zudem auch Flüchtlinge betroffen sein, die bereits aus dem Lager Horst auf weitere Flüchtlingslager in MV weiter verteilt wurden.

Abschiebungen von Roma aus MV und Hamburg nach Serbien, sowie Mazedonien finden vermehrt seit einigen Wochen statt. So wurden bereits in den letzten Tagen und Wochen mehrfach Roma-Familien über Hamburg nach Mazedonien abgeschoben. Am 19.11.2012 wurde erstmals eine Massenabschiebung von Roma mit einem Reisebus aus dem Lager Horst direkt nach Serbien durchgeführt. Etwa 60 AktivistInnen aus Hamburg und MV protestierten mit Sitz- und Stehblockaden vor dem Lager gegen das Vorgehen ( ( Vgl. Pressemitteilungen vom 16. und 19.11.2012 ). Die Behörden betonten, dass es sich nicht um Abschiebungen handeln würde, sondern um eine sogenannte „freiwillige Rückkehr“. Die Betroffenen hingegen berichteten davon, dass die Behörden ihnen gedroht hatte, sie mitten in der Nacht unter Einsatz von Polizei abzuschieben, wenn sie die entsprechenden Formulare nicht unterschreiben würden. Aufgrund des Drucks, aus Rücksicht auf ihre Kinder und aufgrund sprachlicher Barrieren unterzeichneten viele. Defacto handelt es sich daher um unfreiwillige Abschiebungen.
Auch in anderen Bundesländern wurden kürzlich zahlreiche Abschiebungen von Roma nach Kosovo, Serbien und Mazedonien unter anderem in von Frontex koordinierten Sammelabschiebungen vollzogen.

„Wir sind zutiefst empört und verurteilen dieses Vorgehen aufs Schärfste! Fünf Wochen ist es erst her, dass das zentrale Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Sinti und Roma in Berlin eingeweiht wurde. Hochrangige PolitikerInnen wie Bundeskanzlerin Merkel wiesen darauf hin, dass aus der Vergangenheit eine besondere Verantwortung Deutschlands resultiere, Sinti und Roma heute vor Diskriminierung und Verfolgung zu schützen. Angesichts der derzeitigen Abschiebungen und dem Leugnen von antiziganistischer Diskriminierung und Verfolgung in den jeweiligen Herkunftsländern sind dies nichts weiter als leere Worthülsen! Wir fordern PolitikerInnen in Bund und Länder auf, nicht zuletzt aufgrund der historischen Verantwortung, die sich aus dem Nationalsozialismus aber auch aus dem Umgang mit Sinti und Roma in der Nachkriegszeit und nicht zuletzt aus dem Pogrom vor 20 Jahren in Lichtenhagen ergibt, gegenüber Sinti und Roma politisch verantwortungsvoll zu handeln!“ appelliert Caroline Schmidt von der Antirassistischen Initiative Rostock. „Darüber hinaus fordern wir gemeinsam den Innenminster und Vorsitzenden der bevorstehenden InnenministerInnenkonferenz Lorenz Caffier, sowie alle anderen (Bundes)InnenministerInnen und -senatorInnen auf, über die Situation der asylsuchenden Roma auf der Konferenz zu sprechen und sich für ein Bleiberecht von Roma auszusprechen! Desweiteren fordern wir, dass alle Bundesländer den Schutz von Roma und Sinti verfassungsmäßig beschließen, wie kürzlich in Schleswig-Holstein geschehen.“, so Kim Ayalan von der Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen“.

„Die antiziganistische Hetze, die von Bundesinnenminister Friedrich, Innenminister Schünemann (Niedersachsen) und auch MVs Innenminister Caffier vor kurzem betrieben wurde, der zufolge Roma als „Wirtschaftsflüchtlinge“, die das Asylrecht missbrauchen würden, dargestellt wurden, findet ihre Konsequenzen in den bereits vollzogenen und geplanten Abschiebungen und zeigt, welche konkrete Bedrohung für die Betroffenen von solchen rassistischen Diskursen in der Gesellschaft und den Institutionen ausgeht!“ kritisieren die antirassistischen Initiativen weiter.
Franz Forsmann vom Hamburger Flüchtlingsrat ist zudem der Meinung, dass die PolitikerInnen schlichtweg ausblenden, dass Roma in den Herkunftsländern wie Serbien, Kosovo und Mazedonien als Folge einer strukturellen Diskriminierung der Roma-Minderheit unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen leben müssen und politisch diskriminiert werden. Es seien daher politische Gründe, wegen derer sie nach Deutschland kommen. Ihnen sollte Asyl gewährt werden, im Mindesten sollte seiner Meinung nach eine Bleiberechtsregelung geschaffen werden.

„Wir fordern die politisch Verantwortlichen in MV und Hamburg auf, die bevorstehenden Abschiebungen und erzwungenen „freiwilligen Rückkehren“ nach Serbien und Mazedonien sofort zu stoppen! nach Serbien und Mazedonien umgehend zu stoppen! Darüber hinaus fordern wir, bundesweit die Abschiebungen von Roma einzustellen und stattdessen ein generelles Bleiberecht für Roma zu verankern, welches seit Jahren von antirassistischen Initiativen gefordert wird!“, appellieren die Initiativen gemeinsam.

Zur Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen“.

11.11.2012 Lager Horst abschaffen aus Rostock-Lichtenhagen lernen !

11.11.2012
Lager Horst abschaffen -
aus Rostock-Lichtenhagen lernen !
13.00 Uhr Kundgebung vor dem Lager Horst (Boizenburg)!

Seit dem 1. April 1993 existiert das gefängnisähnliche Erstaufnahmelager für Mecklenburg Vorpommern (MV) in Nostorf/Horst bei Boizenburg. Das Pogrom von Lichtenhagen 1992 führte letztlich dazu, dass die Erstaufnahme für Flüchtlinge von Rostock-Lichtenhagen nach Horst verlegt wurde. Neben der de facto-Abschaffung des Asylrechts auf Bundesebene wurde mit der Verlegung des Erstaufnahmelagers nach Horst die Forderung des rassistischen Mobs von Lichtenhagen auf regionaler Ebene erfüllt. Die Folgen für die Betroffenen dauern bis heute an.
Das Lager befindet sich in einem Waldstück auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in totaler Abgeschiedenheit und damit verbannt aus der öffentlichen Wahrnehmung. Seit 2005 fungiert es zusätzlich als Abschiebelager.

>> mehr dazu…

Überlebende des Naziregimes, ihre Angehörigen und Freundinnen und Freunde fordern Verbot

Überlebende des Naziregimes, ihre Angehörigen und Freundinnen und Freunde fordern Verbot
Aufruf an die Verantwortlichen in Wolgast
Anlässlich des von der NPD angekündigten Fackelmarsches am 9. November in Wolgast wendet sich die VVN-BdA mit einem Aufruf an den Bürgermeister von Wolgast, die Landrätin, den Innenminister und den Ministerpräsidenten von MV.

„Verbieten Sie den geplanten Fackelmarsch der NPD in Wolgast am 9. November 2012, dem 74. Jahrestag der Reichspogromnacht! Stoppen sie die NS-Verherrlichung durch die neonazistische NPD! Schützen Sie die Menschenwürde der angegriffenen Flüchtlinge!Die Pogrome vom November 1938 bildeten den Auftakt zur Shoa, der fast vollständigen Vernichtung der Juden in Europa. Zum 74. Jahrestag plant die neonazistische NPD am 9. November 2012 in Wolgast einen Fackelmarsch vom Bahnhof zur der Flüchtlingsunterkunft in Wolgast-Nord. Dies ist eine unerträgliche Drohung an die dort lebenden Flüchtlinge. Schützen Sie sie vor den Pogromisten der NPD.

Es ist aber auch eine schmerzhafte Erinnerung und erneute Demütigung, ein ganz direkter Angriff auf alle überlebenden Opfer des Naziregimes und die Verhöhnung des Andenkens der Millionen ermordeten Opfer der Nazidiktatur und des deutschen Vernichtungskriegs. Lassen Sie diese zynische Bezugnahme auf den Beginn des Menschheitsverbrechens Holocaust nicht als erlaubte Meinungsäußerung einer (noch) legalen Neonazipartei durchgehen.

Viele Verfolgte und Überlebende des Naziregimes haben Flucht und Exil, Ablehnung und Ausgrenzung in ihren Zufluchtsländern erlebt. Sie fühlen mit den bedrohten Flüchtlingen und messen unsere Gesellschaft und unsere Demokratie heute an ihrem Vermögen zu Empathie und Solidarität. Sie werden immer wieder enttäuscht.

Wir fordern Sie als verantwortliche und zuständige Politiker_innen und Behörden auf, alles Nötige für ein Verbot dieses „Marsches“ in die Wege zu leiten. Machen Sie sich nicht mitschuldig an der Verharmlosung von Neonazismus und Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus. Die Mordserie der NSU hat gezeigt wohin das führt.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus gehören zu den Voraussetzungen, die Auschwitz möglich gemacht haben! Setzen Sie sich weiter für das Verbot der NPD ein! nonpd – NPD-Verbot jetzt!“

2. November 2012

Überlebende des NS-Regimes: Ludwig Baumann (Bremen, Opfer der NS-Militärjustiz) Esther Bejarano (Hamburg, KZ Auschwitz und KZ Ravensbrück) Ruth Burse (Leipzig, KZ Theresienstadt) Ruth Czichon (Berlin, Exil) Alice Czyborra, geb. Gingold (Essen, als Kind in Frankreich versteckt überlebt) Gerhard Dehnert (Berlin, KZ Kalkbergwerk Miltitz) Henny Dreifuss (Düsseldorf, Mitglied der Résistance) Prof. Günter Glaser (Berlin, Nationalkomitee Freies Deutschland) Kurt Gutmann (Exil, Kindertransport nach England) Volkmar Harnisch (politischer Häftling) Elisabeth Jäger (Berlin, KZ Ravensbrück) Werner Knapp (Berlin, Exil) Lorenz Knorr (Frankfurt/Main, Jugendwiderstand im Sudetenland) Gisela Lindenberg (Exil, Kindertransport nach England) Günter Pappenheim (KZ Buchenwald) Ulrich Raabe (Dierhagen, rassistisch verfolgt) Barbara Reimann (Berlin, KZ Ravensbrück) Brigitte Schauss (Berlin, Exil) Frido Seydewitz (Dresden, Exil ,Gulag-Häftling) Justiz Sonder (Chemnitz, KZ Auschwitz) Hanna Tomkins (Berlin, Exil) Marianne Wilke (Wedel, rassistisch verfolgt) Steffie Wittenberg (Hamburg, Exil in Uruguay)

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Cornelia Kerth (Vorsitzende) Prof. Heinrich Fink (Vorsitzender) Dr. Axel Holz (Landesvorsitzender) Ida Schillen (Kreisvorsitzende Rostock)

Es schließen sich dem Protest an: Flüchtlingsrat MV Antirassistische Initiative Rostock (antira) Initiative Stop it – Rassismus bekämpfen alle Lager abschaffen, Robert Weiß, 1. Vorsitzender LV der Sinti in Hamburg

>>> Zur VVN-BdA

PM von Stop It!: Situation in Wolgast spitzt sich zu – NPD ruft am Tag der 74. Jährung der Reichspogromnacht zu einem Fackelmarsch gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ auf

Stop it! Rassismus bekämpfen, alle Lager abschaffen, 25.10.2012

Der Landesverband der NPD in MV ruft zu einem Fackelmarsch am 9. November gegen vermeintlichen „Asylmissbrauch“ auf. Laut Informationen des Nordkuriers und der Ostsee-Zeitung soll der Fackelmarsch vom Bahnhof zur Flüchtlingsunterkunft in Wolgast-Nord ziehen, wo es eine Kundgebung geben werde, bei der die NPD-Landtagsabgeordneten Udo Pastörs und Michael Andrejewski reden. Die NPD hat für diesen Tag bis in die Nacht hinein (24 Uhr) Aktivitäten angemdeldet. Das sicher nicht zufällig gewählte Datum der Reichspogromnacht steht stellvertretend für die November-Pogrome von 1938 in Nazi-Deutschland, bei denen Synagogen brannten, jüdische Geschäfte geplündert wurden, Juden und Jüdinnen gedemütigt und verfolgt, hunderte ermordet und tausende ins KZ deportiert wurden.
Weiterlesen bei Stop-it!

20 Jahre nach dem Pogrom – Tausende gegen Rassismus und Neofaschismus

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) erklärt:

Die Veranstaltungen zum Gedenken an den 20. Jahrestag das rassistischen Pogroms in Rostock-Lichtenhagen waren ein großer Erfolg, der Mut macht, weiter gegen Rassismus in Deutschland zu kämpfen.

Bereits am Vormittag des 25. August fanden sich auf dem Rostocker Neuen Markt 2.000 TeilnehmerInnen zur Kundgebung „Das Problem heißt Rassismus“ ein. Vertreter antirassistischer Initiativen wiesen darauf hin, dass das Pogrom bis heute auch für eine unglaubliche Ignoranz politischer Verantwortungsträger gegenüber den Betroffenen steht. Ein in MV lebender Flüchtling berichtete wie sehr ihn die bestehende Asylgesetzgebung daran hindert, ein normales Leben zu führen, was wiederum bereits vorhandene Vorurteile verstärkt.

Unter großem Beifall konnten Cornelia Kerth und Heinrich Fink, Bundesvorsitzende der VVN-BdA, am Rathaus mit Billigung des Oberbürgermeisters eine Gedenktafel anbringen. Damit wurde den ursprünglichen Initiatoren der Tafel, den „Söhnen und Töchtern der deportierten Juden Frankreichs“ historische Gerechtigkeit getan, die beim Versuch des Anbringens im Oktober 1992 verhaftet worden waren. Ein Grußwort ihrer Sprecherin Beate Klarsfeld wurde verlesen. Darin griff sie die aggressive und angesichts der Untätigkeit gegenüber dem rassistischen Mob umso empörendere Behandlung Seitens der Polizei scharf an.

Von Lütten-Klein aus setzte sich am Nachmittag ein starker und bunter Demonstrationszug mit etwa 6.500 TeilnehmerInnen in Bewegung. Auf zahlreichen Transparenten wurden Rassismus und Nationalismus kritisiert und „Grenzenlose Solidarität“ gefordert. Mit vielen Redebeiträgen auf Zwischenkundgebungen erreichte die Demo das Sonnenblumenhaus. So erinnerte Mouctar Bah von der „Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh“ an den Feuertod des in Polizeigewahrsam in Dessau umgekommenen Flüchtlings.

Zur Demonstration hatten mehr als 100 Antifa-Gruppen, Flüchtlingsräte, migrantische Gruppen, GewerkschafterInnen, Jugendgruppen, Bands, linke Gruppen, dänische Antifaschisten und einzelne Parteivertreter aufgerufen.

Am historischen Ort wurde u.a. das Stück „Asylmonologe“ aufgeführt, das sich in beeindruckender Authentizität mit der Lebenssituation von Asylbewerbern beschäftigt.

Es folgte abschließend ein Konzert unter dem Motto „Beweg dich für Bewegungsfreiheit“ mit 1.000 Zuhörenden und Tanzenden.

Am Sonntag, dem 26. August, trafen sich Flüchtlingsräte, Vertreter von Flüchtlingsinitiativen und Mitglieder der VVN-BdA zu einem World-Café und tauschten sich intensiv darüber aus, wie Solidarität praktisch werden kann.

Dass Bundespräsident Gauck am Sonntag auf einer offiziellen Veranstaltung nicht nur ausgerechnet eine „deutsche Eiche“ als Erinnerungsbaum an das rassistische Pogrom pflanzte und Kritiker im Publikum, die ihm „Heuchelei“ vorwarfen, mit Neonazis in einen Topf warf, verwundert nicht. Gauck hatte sich 1992 mit keinem Wort gegen das Pogrom geäußert.

Die VVN-BdA bedankt sich herzlich bei allen BündnispartnerInnen aus Rostock, Mecklenburg-Vorpommern und dem Bundesgebiet und natürlich bei allen ihren Mitgliedern, die den teilweise sehr weiten Weg auf sich genommen haben.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

Bundesvereinigung

Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Tel.: +49 (0)30-29784174, Fax: +49 (0)30-29784179

E-Mail: bundesbuero@vvn-bda.de

www.vvn-bda.de

„Asylmonologe“ – Bühne für Menschenrechte/ Actors for human rights unterstützten die Demonstration in Rostock

Bühne für Menschenrechte

Zum Abschluss der Demonstration am 25.08.2012 in Rostock-Lichtenhagen in unmittelbarer Nähe des Sonnenblumenhauses werden die Bühne für Menschenrechte / Actors for human rights mit einer Dokumentarisches Theateraktion /Lesung das Anliegen der Demonstrant_innen unterstützen.

„Die Asyl-Monologe“
Auszüge aus „Fellekes Monolog“ und „Alis Monolog“

Die Asyl-Monologe erzählen von Ali aus Togo, von Freunden liebevoll „Präsident“ genannt, Felleke aus Äthiopien, der erst willensstark Abschiebeversuche verhindern muss, um dann einen Menschenrechtspreis überreicht zu bekommen, und Safiye, die nach Jahren der Haft in der Türkei und einer absurden Asylablehnung sich für das Lebensbejahenste überhaupt entscheidet: sie schenkt einem Sohn und einer Tochter das Leben.

Dramaturgie und Regie: Michael Ruf
mit Asad Schwarz-Msesilamba und Konstantin Moreth
www.buehne-fuer-menschenrechte.de

Die Bettenbörse ist eröffnet!

Hiermit eröffnen wir feierlich die Bettenbörse für das Wochenende am 25./26. August. Wenn ihr an dem Aktionswochenende in Rostock einen Schlafplatz braucht, meldet euch unter dieser Mail. Wichtig: gebt an, wieviele ihr seid, wann ihr kommt und wie lange ihr bleiben wollt. Außerdem schreibt bitte, ob ihr mit oder ohne Auto kommt. Isomatte und Schlafsack sollten alle dabei haben, damit es angenehm kuschelig wird.

Kontakt: pennplatz_rostock[ätt]systemausfall.org

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.unterstützt „Grenzenlose Solidarität“

Wir freuen uns sehr, dass jetzt auch das „Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.“ die Kundgebung und die Demonstration in Rostock unterstützt.

Ausstellung “Rom heißt Mensch“ in Rostock


Die Ausstellung ist Ergebnis eines Projektes der Europaschule
Rövershagen und ist zur Erinnerung an die progromartigen Ereignisse vor
zwanzig Jahren in Lichtenhagen auf Initiative der VVN-BdA e.V. am 25.
August in Rostock im Veranstaltungszelt Lichtenhagen und 26. August
im Peter-Weiß-Haus zu sehen.

Weltweit gibt es etwa 12 Millionen Sinti und Roma, die Mehrheit von ihnen lebt in Europa. Was wissen wir aber über ihre Geschichte, ihre Traditionen und über ihre Lebensumstände in Deutschland? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich die Schüler der Europa-Schule Rostock Lichtenhagen über zwei Jahre lang. In Zusammenarbeit mit Museen, Gedenkstätten, der TU Berlin und Vereinen recherchierten die Jugendlichen in Archiven, sichteten Literatur, Zeitungen, Filme und suchten im Internet nach Fotomaterialien und Dokumenten.
Die Ergebnisse der Arbeit von 15 Schülern im Alter von zwölf bis 15 Jahren unter der Leitung der Geschichtslehrerin Petra Klawitter präsentierten sie in der Ausstellung im „Mahnmal Eisenbahnwagon“. Außerdem erschien dazu ein begleitendes gleichnamiges Buch. Darin wird die die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma in den Konzentrationslagern Auschwitz und Ravensbrück an Hand von Einzelschicksalen lebendig. Im Sommer 2011 waren die Jugendlichen zudem gemeinsam mit polnischen und rumänischen jungen Menschen in ein Workcamp nach Radauti (Rumänien) gereist, wo sie dort lebende Roma kennenlernten. Am 16. März 2012 wurde die Ausstellung „Rom heißt Mensch“ als eines von sieben Projekten aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein als Preisträger im bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ in Ratzeburg geehrt. Zur Erinnerung an die rassistischen Übergriffe vor zwanzig Jahren in Rostock Lichtenhagen wird die Ausstellung nun am Ort des Geschehens in Lichtenhagen gezeigt, wo auch Sinti und Roma das Ziel rassistischer Hetze und Attacken waren, während staatliche Behörden ihnen den Schutz verwehrten. Mit der Ausstellung „Rom heißt Mensch“ soll zugleich an den Antiziganismus erinnert werden, der sich seit dem 15. Jahrhundert in der Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma äußert und noch heute in Teilen der Bevölkerung als Ressentiment tief verwurzelt ist.

Das erste August Mobi Material ist da!

Wir haben einmal wieder die Druckerpressen angeworfen und neues Material drucken lassen. Neben der Aktualisierung der klassisch-gelben Flyer und Plakate gibt es nun auch ein ganz neues Plakat. 1993 versuchte Beate Klarsfeld mit anderen Antofaschist_Innen am Rostocker Rathaus eine Gedenkplakette anzubringen, die auf die Pogrome am Sonnenblumenhaus hinweisen sollten. Sie wurden daran gehindert. Den Spruch der Plakette gibt es deshalb – gut zwei Jahrzehnte später – bei uns als Plakate und Aufkleber.

Die Materialien können wir immer im klickt Downloadbereich heruntergeladen werden.

Neues Material reloaded

Die neuen Auflagen sind da und können ab sofort wieder beim Bundebüro bestellt werden (klickt hier). Neben den neuen Plakaten und den erweiterten Flyern sind auch wieder die Aufkleber zu haben. ;-)

ACHTUNG: Aufkleber nicht auf fremdes Eigentum kleben!

Erstes Material ist da

Es tut sich etwas auf unserer Seite. Wir haben mittler Weile unseren Aufruf „Grenzenlose Solidariät“ online gestellt und ihr könnt unseren aktuellen Mobi Flyer zur Demo hier herunterladen.